Die Erde und das Leben

Eine lange Geschichte...

Adlernebel

  

In der Geschichte der menschlichen Existenz gab es vielerlei Vorstellungen über die Entstehung des Planeten Erde, über die Entstehung und Entwicklung des Lebens – woher es kommt und wohin es geht. Sämtliche Vorstellungen waren und sind stets „nur“ eine Reflektion des damaligen und heutigen Zeitgeistes, und es wäre sehr spannend zu erfahren, was unsere Nachkommen über unsere heutigen „Erkenntnisse“ denken – mit ihrem Wissen von Morgen.

 

Nach den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist unser Planet ca. 4,5 Milliarden Jahre alt (wie er entstanden ist, wäre wiederum eine andere lange Geschichte...). Im ersten Teil seiner Geschichte war seine Oberfläche flüssig, die Hitze der Atmosphäre machte es unmöglich zu atmen und zahllose Isotope erzeugten noch mehr Hitze. Dann ist all dies erkaltet. Wären z.B. die ursprünglichen Formen des Lebens vor der Abkühlung aufgetreten, hätte dieser Umbruch sie vernichtet.

Was uns bereits zur ersten Frage der Definition vom „Leben“ an und für sich führt. Wir lernen im Laufe unserer schulischen Ausbildung Leben zu definieren, indem wir die Kriterien der Reproduzierbarkeit, der Reaktion auf äussere Umstände, Anwesenheit von DNS etc als Massstab benützen. Mineralien sprechen wir Lebendigkeit ab, von Bakterien behaupten wir, sie hätten kein Bewusstsein (was man wohl auf eine mangelnde Kommunikationsfähigkeit zurückführen kann).

  

Wir trennen das „lebendige“ vom „nichtlebendigen“ aufgrund unseren Geschichtlichen Erfahrungen. So müssen wir uns auf das beschränken was wir gefunden haben, bemessen und benennen können. Ein geschichtliches Phänomen, dass sich seit seinem Auftreten auf der Erde vor Milliarden Jahren aus einem Reproduktionssystem, der DNS, entwickelt hat und dem Leben seine Eigenschaften verleiht, auf Grund derer wir es als „Leben“ bezeichnen. Die Evolution durch natürliche Auslese, die Bildung von Populationen, die Transformationen des Stoff“wechsels“... das ist alles was wir über das Leben wissen. Das irdische Leben ist die Folge eines einzigartigen Experiments, mit einem einzigartigen Ursprung und mit einzigartigen Mechanismen der Wiederholung und der Replikation – und wir haben und kennen nur dieses eine Beispiel auf der Erde.

 DNS Doppelhelix

Schon bei der Frage wie lange das „Leben“ auf dieser Erde verweilt, stehen wir an der Grenze zum Nichtlebendigem. Die Gesteine aus der Epoche vor etwa 3.7 Milliarden Jahren, in der sich die Erdkruste bildete, wurden später derartig von Hitze und Druck deformiert, dass man in ihnen keinerlei fossile Spuren mehr findet. Lediglich das Vorhandensein von Kohlenstoff-Isotopen können Hinweise auf das Vorhandensein von Leben geben – die ältesten Spuren von möglichen Leben. Wir kennen heute Fossilien, die aus den ältesten Gesteinen stammen und man kann gegenwärtig davon ausgehen, dass das Leben aufgetreten ist sobald es die Möglichkeit dazu hatte. Wenn das Leben aufgetreten ist, sobald es konnte, (und es – das „Leben“ – erwies sich als äusserst zäh, erdgeschichtlich betrachtet) könnte man daraus folgern, dass dieses Auftreten eher voraussehbar ist, das es das logische Resultat der Art und Weise ist, in der die organische Chemie und die Physik (sich selbst organisierende Systeme) funktionieren (aber das ist natürlich nur Mutmassung und kein Beweis). Vielleicht liegt es auch daran, dass die Erde so alt ist wie sie ist, so wird im Laufe der Zeit das Unmögliche zum Unwahrscheinlichen, und das Unwahrscheinliche zum fast „Gewissen“.

  

Rekonstruktion frühkambrische Küste

Wenn einmal Lebewesen da sind, führen die jeweils getroffenen Entscheidungen zu einer (und unserer) kontinuierlich verfolgbaren Geschichte des Lebens. An einem Tag haben sie (die Lebewesen) hundert Möglichkeiten, am nächsten Tag wird eine ausgewählt, nämlich die, die in der Geschichte des Lebens realisiert werden wird. Der nächste Diskussionspunkt ist wohl, ob es eine Art von Bestimmung gibt und gegeben hat, die über diesen „Zufall“ (im Sinne von zu-fallen) der Entscheidungen für eine Möglichkeit, entschieden hat. Vielleicht drückt das Wort „Zufall“ auch nur unser Unvermögen aus, den Lauf der Dinge in ihrem Muster zu erkennen (und weil das so ist, bleibt nichts anderes übrig, als im nachfolgenden Text dieses Wort an eben diesen Stellen zu gebrauchen). Was immer wir sind, wir verdanken unsere Existenz einer Reihe von Zufällen, die seit dem Ursprung in der Geschichte des Lebens eingetreten sind – der Zufall entscheidet über die Weise, in der sich die Lebensformen auf diesem Planeten entfaltet haben – der Zufall und die Umstände.

So wollte es eben dieser „Zufall“ , dass sich die Hälfte der Geschichte des Lebens eine Geschichte eines einzelligen Organismus, der Prokaryonten (Zellen ohne definierten Zellkern) ist. Erst vor ca. 1,8 Milliarden Jahren tauchte eine andere einzellige Lebensform mit definiertem Zellkern (Eukaryonten) auf. Wenn man gut hinschaut findet man gleichwohl 1,5 Milliarden Jahre alte mehrzellige Algen – sie sind aber „nur“ Zellaggregate und haben noch nichts mit tierischem leben gemeinsam. So haben fünf Sechstel der Geschichte des Lebens stattgefunden, bevor es auch nur ganz wage um die Frage einer tierischen Lebensform ging.

 

  

Und dann plötzlich, in einem geologischen Wimpernschlag, tauchten vor ca. 600 Millionen Jahren die ersten „Tiere“ auf (sie sollen so ähnlich wie im-Boden-verwurzelte Pfannkuchen ausgesehen haben), weisen aber aus heutiger Sicht keinerlei „augenfällige“ verwandtschaftlichen Verbindungen zu den heutigen Lebewesen (Tieren) auf.

Rekonstruktion einiger Tiere des Präkambriums die durch Fossilien nachgewiesen sind

Diese erste Form von tierischem Leben trat erstmals in der Zeit vor 600 bis 543 Millionen Jahren, im Präkambrium auf – noch vor der sogenannten „Explosion des Lebens“ im Kambrium. Fast scheint es so als habe das Leben eine Reihe von Versuchsreihen gestartet, um dann die Form jenes Stamms zu wählen aus dem alle grossen modernen Tierstämme hervorgehen. Wiederum wurde eine der Möglichkeit ausgewählt – bei der das Leben letztendlich „hängen“ geblieben ist. Die Freude der Natur über dieses gelungene „Experiment“ war derart gross, dass eine sogenannte „Explosion des Lebens“ stattgefunden hat. Während einer Periode von etwa zehn Millionen Jahren tauchten in dieser Epoche sämtliche bekannten grossen modernen Tierstämme auf, was erdgeschichtlich gesehen extrem schnell – eben explosionsartig – war. Bis heute hat es keinen neuen Stamm mehr in der Geschichte des Lebens gegeben! Die meisten Lebenslinien oder Zweige eben dieses Stamms, die einmal existiert haben, sind heute verschwunden und diejenigen, die überlebt haben, sind alle sehr alt.

   Im Baum der Evolution haben nur einige Zweige überlebt – dazwischen gibt es grosse Lücken. Die Geschichte des Lebens wurde durch mehrere massive und brutale Dezimierungen markiert. Die wohl einschneidenste war diejenige am Ende des Perms vor ca. 250 Millionen Jahren – sie hat mit einem einzigen Schlag 95% aller wirbellosen Meeresarten ausgelöscht.  Das letzte grosse derartige Massensterben hat die Vernichtung der Dinosaurier bewirkt, an der Grenze zwischen Kreidezeitalter und Tertiär vor ca. 65 Millionen Jahren  - ausgelöst durch den Aufprall eines ausserirdischen Objekts, das Iridium enthielt (ein „erdfremdes“ Element).

Diese grossen Umwälzungen in Flora und Fauna hatten stets zur Folge, dass die Struktur der Lebewesen in der folgenden Perioden von Gruppen determiniert (bestimmt) wurden, die überlebt hatten. Und es ist anzunehmen, dass wir, (unsere Existenz) direkte Nutzniesser von Massenausterben sind. Das Leben erholt sich unglaublich schnell nach einer solchen Phase der Vernichtung. Man schätzt es dauerte fünf bis zehn Millionen Jahre bis es wieder auf die Beine kam, aber es musste ja auch – dem grossen „Zufall“ sei dank – nie wieder bei Null beginnen. Vor 65 Millionen Jahren haben praktisch gesehen nur Säugetiere überlebt und 10 Millionen Jahre später standen sie voller Blüte. Die Evolution kann manchmal sehr schnell sein...

All diese Erkenntnisse würden uns die Möglichkeit einer Überdenkung unserer Massstäbe, Kriterien – einer anderen Sichtweise der Dinge bieten. Die Erde als solches ist wohl kaum in Gefahr. Angesichts dieser Erdgeschichtlichen „Katastrophen“, welche die Erde erlebt und überlebt hat, welche viel stärker und verheerender waren als alles was unsere Kriegswaffen, unsere Umweltverschmutzung oder radioaktiven Abfälle anrichten könnten. Es ist also – so könnte man meinen – fast eine Art Ausrede von der Rettung der Erde zu sprechen, um sich nicht bewusst werden zu müssen, dass es um die Erhaltung der eigenen Art, der des Menschen und der Tiere geht, die als Grundlagen keine anderen hat, als diejenigen die uns die Erde (Natur) gibt. Der Erde wird es wohl ziemlich egal sein – sie hat Millionen Jahre zeit um sich zu erholen oder neues Leben hervorzubringen.

  

Der nächste Fixpunkt für unseren Planeten dürfte der sein, wenn die Sonne nicht mehr genügend Masse hat um ihre Form zu behalten und sich in der folge zu einem roten Riesen entwickelt – das wird vermutlich erst in ca. 5 Milliarden Jahren der Fall sein.

 

Eine entsprechende ökologische Ethik sollte sich also nicht das Ziel einer fernen Zukunft des Lebens auf anderen Planeten setzen, sie muss sich in erster Linie mit der Qualität unseres Lebens und des Lebens anderer Arten hier und jetzt beschäftigen. Die meisten Menschen sind sich über die Eingriffe in die Umwelt überhaupt nicht bewusst (was es allerdings nicht weniger dramatisch macht). Und es scheint, dass es auch nicht genügt sich darüber bewusst zu sein... aber es wäre ein erster Schritt. Die Tatsache, dass wir bereits hier und heute nicht mehr Fähig sind jedem Erdenbürger (von den Tieren und Pflanzen wollen wir gar nicht sprechen) ein Glas Wasser (in trinkwasserqualität) zur Verfügung zu stellen, sollte uns eigentlich sämtliche Nackenhaare sträuben lassen.

Aber ebenso scheint es, als sei die Trägheit der Menschheit ebenfalls grenzenlos. Vielleicht ist es eine tief im Innern angelegte Tendenz. Die Leute wollen so bleiben wie sie sind – und ebenso wünschen sie, dass die Dinge um sie herum so bleiben wie sie sind – was aber nach diesen Gedankengängen natürlich paradox ist. Wenn wir wollten das es so bliebe wie es ist – müssten wir also unser Verhalten ändern, aber eine gesellschaftliche Veränderung ist noch unwahrscheinlicher als eine persönliche Umgestaltung. Was also wiederum hiesse; es liegt wiederum an jedem einzelnen – so utopisch der „Tropfen auf den heissen Stein“ dem einzelnen erscheinen mag – eine andere Lösung gibt es nicht. Ebenso verhält es sich mit den Umgang der Menschen untereinander – ein Spiegel für den Umgang mit der Natur oder der Welt im allgemeinen – ein speculum mundi – direkt vor unserer Nase! Es wäre interessant die Natur zu befragen, ob sie nach all den Jahrmillionen sich nochmals für den selben „Stamm“ entscheiden würde – wenn sie könnte – oder ob sie nicht doch einen andern ausprobieren hätte sollen.

 

  

 Gerade desshalb sollten wir uns der Schönheit unseres Planeten bewusst sein und sorge tragen zu allem was unseren Lebensraum bildet.

"Meine Religion besteht in meiner demütigen Bewunderung einer unbegrenzten geistigen Macht, die sich selbst in kleinsten Dingen zeigt, die wir mit unserem gebrechlichen und schwachen Verstand erfassen können. In der Pracht eines herbstlichen Waldes ebenso wie in der Schönheit der Galaxien in den Tiefen des Universums. Diese tiefe, emotionelle Überzeugung von der Anwesenheit einer geistigen Intelligenz, die all dies hervorgebracht hat, bildet meine vorstellung vom Höchsten."

Wasser - Quell des Lebens
  Wasser war, ist und wird immer da sein auf dieser Erde solange es Leben gibt. Wasser vermag Informationen zu speichern und ist so gesehen Gedächtnis, Gesicht, Geist, Körper und Geschichte unseres Planeten.